RWTH Graduiertenfest am 07.09.2024.
Barbara Göbbels

„Es gibt immer Wege zurück an die RWTH!“

Das Dezernat 12.0 verankert Personalgewinnung und -entwicklung strategisch in der Zentralverwaltung

Wenn man den Namen „RWTH Aachen University“ hört, denkt man sofort an Spitzenforschung, Innovation und wissenschaftliche Exzellenz. Dass die Hochschule jedoch auch als Arbeitgeberin ein attraktives Arbeitsumfeld bietet, ist selten der erste Gedanke. Dabei verspricht die RWTH sowohl Wissenschaftler*innen als auch Beschäftigten in Technik und Verwaltung ein spannendes Arbeitsumfeld – geprägt von Exzellenz, Internationalität und interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Das eigens für Personalgewinnung und -entwicklung geschaffene Dezernat 12.0 „Personalentwicklung und Talentmanagement“ zeigt, dass die RWTH ihre Aufgabe, passendes Personal in Wissenschaft, Technik und Verwaltung zu finden, ernst nimmt, und ihren hohen Qualitätsansprüchen auch beim Thema Personal gerecht werden möchte. Warum war es der Hochschule so wichtig, Personalgewinnung und -entwicklung als wichtige strategische Aufgaben strukturell fest zu verankern? Wie funktioniert Personalgewinnung heutzutage in der Wissenschaft, in Technik und Verwaltung? Und was bietet die RWTH ihrem Personal alles als Arbeitgeberin? Im Gespräch mit Dr. Alan Hansen, Dezernatsleitung von Dezernat 12.0, sowie Barbara Göbbels, stellvertretender Dezernatsleitung und Abteilungsleitung der Abteilung 12.1 „Karriereentwicklung wissenschaftlicher Nachwuchs und Talentmanagement“, und der „keep in touch“ stehen diese Fragen im Fokus.

Lieber Herr Dr. Hansen, liebe Frau Göbbels, warum beschäftigt sich die RWTH überhaupt mit dem Thema „Recruiting“ und „Attraktivität der Hochschule als Arbeitgeberin“ – und dann noch strukturell fest in der Zentralverwaltung verankert? Wie kam es zu der Dezernatsgründung?

Die Gründung unseres Dezernats „Personalentwicklung und Talentmanagement“ geht auf eine bewusste strategische Entscheidung des Rektorats zurück. Heute besteht das Dezernat bereits seit fünf Jahren.

Die Hochschulleitung hat früh erkannt, dass das professionelle Suchen, Gewinnen und Binden von Menschen, die zur RWTH passen, ein zentrales Zukunftsthema ist. Nur so lassen sich Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung nachhaltig sichern. In dieser Form ist die RWTH auch Vorreiterin: Die Bündelung von Personalentwicklung, Recruiting und Gesundheitsmanagement in einem Bereich ist an deutschen Hochschulen in der Form bislang einzigartig.

Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels, sich wandelnder Kompetenzanforderungen und wachsender internationaler Konkurrenz hat dieses Thema weiter an Bedeutung gewonnen. Unsere Struktur ermöglicht es, professionelle Recruiting-Ansätze mit systematischem Onboarding und gezielter Weiterentwicklung zu verbinden.

Wichtig ist uns dabei: Die Verantwortung für die Gewinnung und Förderung von Mitarbeitenden liegt weiterhin bei den Führungskräften in den einzelnen Organisationseinheiten. Wir verstehen uns als unterstützender und beratender Partner.

Mit unseren Angeboten im Recruiting zielen wir vor allem darauf ab, den Kreis qualifizierter Bewerbender zu erweitern und die RWTH als attraktive Arbeitgeberin sichtbar zu machen.

Seit März 2026 arbeiten wir zudem auf Grundlage eines neuen Personalentwicklungskonzepts. Es beschreibt den strategischen Rahmen für die kommenden fünf Jahre und nimmt den gesamten „Lebenszyklus“ von Beschäftigten, den sogenannten Employee Lifecycle, in den Blick: von der Gewinnung über das Onboarding und die Entwicklung bis hin zum Austritt. Auch wenn wir heute vor allem über Recruiting und Onboarding sprechen, verstehen wir Personalgewinnung und -entwicklung grundsätzlich als ganzheitliche Aufgabe.

Der Employee Lifecycle an der RWTH Aachen
Dezernat 12.0 und Stabsstelle Marketing

Letztes Jahr ging das neue Karriereportal der RWTH online. Welche Vorteile bietet dieses Portal und welche Erfahrungen konnten Sie bisher dazu schon sammeln?

Das neue Karriereportal wurde 2025 gemeinsam vom Dezernat 12.0, der Stabsstelle Marketing sowie dem Web-Team aus Dezernat 5.0 entwickelt. Ein großer Vorteil des Portals ist die klare und zielgruppenspezifische Navigation. Durch die Strukturierung nach Beschäftigungsbereichen finden Interessierte schnell die für sie passenden Tätigkeitsfelder, können sich gezielt informieren und gelangen direkt zu den entsprechenden Stellenausschreibungen.

Darüber hinaus ermöglichen integrierte O-Töne von Mitarbeitenden authentische Einblicke in den Arbeitsalltag an der RWTH. So wird sichtbar, was die RWTH als Arbeitgeberin ausmacht und welche Menschen hier arbeiten. Das schafft Transparenz und Nähe.

Bisher haben wir sowohl intern als auch extern sehr positive Rückmeldungen erhalten – beispielsweise von Mitarbeitenden oder im Austausch mit Interessierten auf Karrieremessen. Besonders hervorgehoben werden dabei die übersichtliche Struktur des Portals sowie die ansprechende inhaltliche Gestaltung. Insgesamt trägt das Portal dazu bei, die Vielseitigkeit der RWTH als Arbeitgeberin klar und modern zu präsentieren.

 

Sie sprachen gerade schon Karrieremessen an. Welchen Erfolg bringen Messestände für die RWTH zur Personalgewinnung?

Durch die Präsenz auf Karrieremessen oder anderen Events wird die RWTH als Arbeitgeberin in der Region sichtbarer - auch an Orten, an denen man uns vielleicht nicht unmittelbar erwarten würde, wie beispielsweise auf dem Kimiko-Festival. Wir versuchen, auf unterschiedlichen Ebenen den Zugang nach außen zu schaffen und die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten an der RWTH sichtbar zu machen. Gerade für die Zielgruppe der Fachkräfte für Technik und Verwaltung sind Karrieremessen eine wichtige Informationsquelle, um potenzielle neue Arbeitgeber*innen kennenzulernen und sich über konkrete Einstiegsmöglichkeiten zu informieren. Wir bieten dort die Möglichkeit, direkt mit der RWTH ins Gespräch zu kommen, schaffen Nähe, geben authentische Einblicke in den Arbeitsalltag und informieren transparent über die verschiedenen Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, was sehr positiv aufgenommen wird. Viele Menschen verbinden die RWTH vor allem mit Wissenschaft und Forschung, haben aber oft gar nicht präsent, wie viele weitere Tätigkeitsfelder es hier gibt – beispielsweise im Gebäude- oder Finanzmanagement. Es ist uns wichtig, die RWTH nahbar und greifbar zu machen und die Menschen zu zeigen, die hier arbeiten.

Je nach Veranstaltung und Zielgruppe treten wir dabei teilweise auch gemeinsam mit der Ausbildungsabteilung 8.4 auf, insbesondere wenn Ausbildungsberufe und Einstiegsmöglichkeiten für Schüler*innen im Fokus stehen. Auf anderen Veranstaltungen stehen dagegen Promotionsstellen oder wissenschaftliche Karrierewege im Mittelpunkt. Auch die Gründe, warum Menschen sich für die RWTH interessieren, sind vielfältig: Bei Promotionsstellen spielt häufig die exzellente Reputation der RWTH eine zentrale Rolle. Für Beschäftigte in Technik und Verwaltung sind hingegen Aspekte wie flexible Arbeitszeitmodelle, Entwicklungsperspektiven, ein sicherer Arbeitsplatz oder eine positive Teamkultur besonders wichtig. Insgesamt können wir für unterschiedliche Zielgruppen viele attraktive Benefits [Angebote/Vorteile, Anm. d. Red.] und Perspektiven selbstbewusst nach außen vertreten.

KIMIKO Festival 2024 in Aachen
Barbara Göbbels

Eine besondere Aufgabe des Dezernat 12.0 ist die aktive Suche nach Mitarbeitenden. Wie läuft derzeit eine proaktive Suche nach neuen Mitarbeitenden für die RWTH ab?

Die proaktive Suche nach neuen Mitarbeitenden ist vor allem auf Professuren ausgerichtet – und deutlich strategischer angelegt als eine klassische Stellenausschreibung. Wir setzen dafür gezielt spezialisierte Recruiting-Tools ein und recherchieren auf relevanten Plattformen wie LinkedIn oder ResearchGate, um potenzielle Kandidat*innen zu identifizieren. Eine wichtige Ergänzung ist die Zusammenarbeit mit dem Bibliometrie-Team der Universitätsbibliothek: Mithilfe von Forschungsfeldanalysen auf Basis von Publikationsdaten gewinnen wir eine externe Perspektive auf das jeweilige Fachgebiet und können die Suche weiter schärfen. So entsteht eine fundierte Übersicht potenzieller Kandidat*innen, die aktiv angesprochen werden können. Aspekte wie Internationalität, Vielfalt und Chancengleichheit berücksichtigen wir dabei von Anfang an.

 

Sie sagten gerade schon, dass die proaktive Suche nach neuen Mitarbeitenden fast ausschließlich für Professor*innen passiert. Gibt es da Ausnahmen?

Ja, die gibt es. In Fällen, in denen Positionen besonders schwer zu besetzen sind oder es sich um Schlüsselpositionen in Wissenschaft oder Verwaltung handelt – etwa bei Leitungen zentraler Einrichtungen – greifen wir ebenfalls auf eine proaktive Suche zurück. Solche Entscheidungen treffen wir jedoch immer einzelfallbezogen und auf Grundlage verschiedener Kriterien. Bei Bedarf arbeiten wir dann zudem mit externen Expert*innen, spezialisierten Agenturen sowie der Stabsstelle Marketing zusammen. Ergänzend empfehlen wir fachspezifische Ausschreibungsportale, um die Sichtbarkeit der Stellenausschreibungen zu erhöhen und gezielt die passenden Zielgruppen zu erreichen.

 

Wie sähe denn eine Einarbeitung an der RWTH aus? Wie unterstützt Dezernat 12.0 Onboarding-Prozesse?

Das Thema Onboarding ist für uns mindestens genauso wichtig wie die Gewinnung neuer Mitarbeitender. Denn es bringt wenig, attraktive Versprechungen zu machen, wenn der erste Eindruck an der Hochschule anschließend nicht überzeugt.

Wir unterstützen das Onboarding daher in unterschiedlichen Bereichen und für verschiedene Zielgruppen. Ein Beispiel ist der jährlich stattfindende „Begrüßungsworkshop für neuberufene Professorinnen und Professoren“. Dieser bietet den Neuberufenen unter anderem die Gelegenheit, zentrale Serviceeinrichtungen der RWTH, die sie in ihrer Tätigkeit unterstützen, kennen zu lernen. Gleichzeitig werden sie vom Rektorat offiziell begrüßt und erhalten die Möglichkeit, sich frühzeitig innerhalb der Gruppe zu vernetzen.

Um unsere neuen Mitarbeitenden in Management, Verwaltung, Technik und IT wertschätzend an der RWTH willkommen zu heißen, veranstalten wir halbjährig mit dem Dezernat 3.0 „Presse und Kommunikation“ eine Begrüßungsveranstaltung unter dem Motto „Wir.RWTH.Gemeinsam.“ mit dem Rektor und dem Kanzler. Neben allgemeinen Informationen über die RWTH steht dabei vor allem eine offene und informelle Atmosphäre im Mittelpunkt. Die Veranstaltung soll Orientierung geben, den persönlichen Austausch fördern und dabei unterstützen, frühzeitig Kontakte und Netzwerke innerhalb der Hochschule aufzubauen. Gleichzeitig möchten wir die RWTH als Arbeitgeberin mit ihren vielfältigen Facetten erlebbar machen.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, unsere Führungskräfte für die Bedeutung eines gelungenen Onboardings zu sensibilisieren. Deshalb bieten wir zweimal jährlich das Kurzformat „Alle an Bord? Meine Rolle als Führungskraft im Onboardingprozess neuer Mitarbeiter*innen“ an. Im Fokus stehen dabei die sich wandelnden Erwartungen neuer Beschäftigter, aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Rolle der Führungskraft im gesamten Einarbeitungsprozess. Neben dem gemeinsamen Austausch werden dabei auch Tipps, praktische Tools und Handlungsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert.

 

An der RWTH gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur selbstständigen Weiterbildung. Inwiefern sind Weiterbildungsmöglichkeiten hilfreich dabei, Fachkräfte an der RWTH zu halten?

Aus vielen wissenschaftlichen Studien, aber auch dem Arbeitsalltag, wissen wir, dass die Möglichkeit zur Weiterentwicklung eine der stärksten Attraktivitätsfaktoren für Arbeitsplätze ist. Das gilt in besonderem Maße für unsere Nachwuchswissenschaftler*innen in der Qualifizierungsphase, aber auch für alle anderen Beschäftigten. Wir haben ein außergewöhnlich breites und gleichzeitig sehr zielgruppenspezifisches Entwicklungsprogramm, das über klassische Weiterbildungsseminare weit hinausgeht. Wir bieten Coachings, Hospitationen, Reflexionsformate, kollegiale Beratung und vieles mehr an. Diese Vielfalt eröffnet sowohl horizontale als auch vertikale Entwicklungsperspektiven und stärkt damit nachhaltig die Bindung an die Hochschule. Weiterbildung ist für uns ein zentraler Baustein, um qualifizierte Mitarbeitende langfristig zu gewinnen und zu halten. Das spiegelt sich auch in der hohen Nachfrage wider: Jährlich verzeichnen wir rund 5.000 Teilnahmen, verbunden mit positiven Rückmeldungen zu unseren Angeboten.

 

Diversität wird an der RWTH großgeschrieben und aktiv gefördert. Wo sehen Sie Vorteile diverser Teams?

Diversität müssen wir an der RWTH nicht künstlich erzeugen, sie ist bei uns gelebte Realität, sowohl im Studium als auch bei den Beschäftigten. Diverse Teams sind für uns und bei uns keine Ausnahme, sondern der Grund, weshalb wir an der RWTH erfolgreich sind. Diversität und Gleichstellung sind an der RWTH verbindliche kulturelle Werte. Was die Zusammenarbeit angeht, sind diverse Teams in der Regel nicht nur kreativer, sondern Entscheidungen werden auch differenzierter und nachhaltiger getroffen, da verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden.

Diversität – und da sprechen wir nicht nur von Internationalität, sondern z.B. auch von Generationenvielfalt, unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen, introvertierten oder extrovertierten Persönlichkeiten – kann allerdings auch Herausforderungen mit sich bringen und muss insbesondere von den Führungskräften aktiv gemanagt werden. Nur dann können Potenziale, die mit Diversität einhergehen, genutzt werden und nur dann fühlen sich alle Menschen zu einem Team oder Bereich zugehörig. Diversität kann herausfordernd sein, aber verschiedene Einrichtungen, wie das IGaD, sensibilisieren und unterstützen Führungskräfte intensiv, um eine wertschätzende und diskriminierungsfreie Arbeitskultur zu etablieren.

 

Was ist abschließend Ihre Einschätzung: Wie wendet man sich am besten an die RWTH, wenn man wieder hier arbeiten möchte?

Grundsätzlich ist es auch für Alumni sinnvoll, sich zunächst einen Überblick über das Karriereportal der RWTH zu verschaffen und im Jobportal nach aktuellen Stellenausschreibungen zu schauen. Darüber kann anschließend direkt Kontakt mit der jeweiligen Institution oder Einrichtung aufgenommen werden. Es spricht auch nichts dagegen, erneut Kontakt zum ehemaligen Fachbereich aufzunehmen und hier individuelle Gespräche zu führen. Wir freuen uns auch immer, wenn wir von Ehemaligen auf Karrieremessen angesprochen werden und dort das individuelle Anliegen gemeinsam besprechen können.

Uns ist nochmal wichtig zu sagen, dass die RWTH nicht nur ein Ort zum Studieren und für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist, sondern es hier eine Vielzahl an Tätigkeiten für jede Berufsrichtung gibt. Also für Menschen, die nach Aachen zurückkehren möchten, ist die RWTH eine super Anlaufstelle für potenzielle Stellen.

Es gibt auf jeden Fall einige Alumni an der RWTH, die sehr zufrieden sind, wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt zu sein – wir beide sind ja auch RWTH-Alumni.

Barbara Göbbels ist zehn Jahre nach dem Studium und einer Tätigkeit in der freien Wirtschaft in Köln an die RWTH zurückgekehrt, Alan Hansen nach seiner Promotion und einer Tätigkeit an der Universität zu Köln. Es gibt immer Wege zurück an die Hochschule – und mit einer Erfahrung von außerhalb an die RWTH zurückzukehren und diese neuen Erfahrungen mit seinem RWTH-Alumni-Status zu vereinen, das bringt unglaublichen Mehrwert.

Liebe Frau Göbbels, lieber Herr Dr. Hansen, herzlichen Dank für das schöne und informative Gespräch!

Martin Braun
Martin Braun

– Autor*innen: Dr. Alan Hansen, Barbara Göbbels, Siba Fitzau