Dominik Stollenwerk, was genau macht die Abteilung Nachhaltiges Gebäudemanagement?
Zusammengefasst wissen wir, wo die Energie benötigt wird, sorgen dafür, dass sie am Markt beschafft wird und können nachvollziehen, wie sich der Energieeinsatz über die stetige Weiterentwicklung der RWTH entwickelt. Außerdem bilden wir das Bindeglied zum Thema Energie zwischen Hochschulleitung, Stabsstellen und Dezernat 10.
Die Abteilung besteht aus zwei sich ergänzenden Sachgebieten, eines ermittelt, lokalisiert und führt den Energieeinsatz der RWTH bzw. die Messdaten hierfür zusammen. Das zweite kümmert sich um die Beschaffung der Energiemengen (Strom, Fernwärme und Erdgas) und um die Weiterverarbeitung aller Messwerte der Energiemengen, die die RWTH für ihren Betrieb benötigt. Hierbei arbeiten wir eng mit den anderen Fachabteilungen im Dezernat zusammen, die die Zähleinrichtungen in den Medien verantworten. Wir betreiben die Energiedatenbank, in der systematisch alle Bezüge und Verbräuche erfasst werden und erstellen Statistiken, auf denen unter anderem der Nachhaltigkeitsbericht und das Klimaschutzkonzept der RWTH basieren. Außerdem kümmern wir uns in Zusammenarbeit mit der Abteilung Kaufmännisches Gebäudemanagement um die gesetzlichen Meldepflichten zum Energieeinsatz und den Emissionshandel.
Welches Thema bewegt Sie zurzeit am meisten?
Uns bewegen derzeit die stetig wachsenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen an unsere Meldungen und Messdaten und die damit verbundenen Herausforderungen zur Quantität und Qualität von Messwerten. Dieser Bericht ist ein gutes Beispiel dafür, dass heutzutage deutlich transparenter und öffentlicher über den Energieeinsatz berichtet wird, was wir sehr begrüßen, denn das Thema Energie hat uns schon die letzten 20 Jahre begleitet, solange gibt es die strukturierte Energieerfassung bereits. Die gewachsenen Strukturen und die unterschiedlichen Ausführungen von Energieverteilsystemen erschweren den RWTH-weiten Überblick hierbei erheblich. Unser Fokus liegt aktuell darauf die eigenen PV-Anlagen sehr gut überwachen zu können und wir arbeiten weiterhin an der automatisierten Erfassung der Messdaten. Hier erhoffen wir uns eine große Erleichterung, durch das neu einzuführenden Softwarewerkzeug, das die Anlagen- und Datenerfassung, Wartung und Dokumentation deutlich verbessern wird. Hierfür arbeiten wir gerade die vorhandenen Daten zur Versorgungs- und Messinfrastruktur auf, um im neuen System mit einer deutlich besseren und umfangreicheren Datenbasis starten zu können.
Was ist die größte Herausforderung?
In der RWTH sind aktuell ca. 2000 Energiezähler (Wärme, Kälte, Strom, Wasser) verbaut. Hierbei ist die Verteilung auf die Gebäude sehr unterschiedliche, wir haben riesige Gebäude, mit fünf Zählern und relativ kleine Gebäude mit 50. Zusätzlich sind die Strukturen durch die ständige Erneuerung der Gebäude auf vollkommen unterschiedlichen technischen Ständen, was eine standardisierte automatische Auswertung leider sehr erschwert. Durch die schiere Masse an Messdaten und die große Anzahl von verschiedenen Erfassungs- und Übertragungssystem entsteht eine Komplexität, die uns vor große Herausforderungen stellt. Ein weiter Punkt ist die in vielen Teilen der Hochschule teils deutlich überalterte Infrastruktur. Hier können nicht mal eben, wie in perfekt vorbereiteten Neubauten Zähler getauscht werden, aus einem einfachen Tausch wird schnell ein größeres Projekt. Dies bindet bei uns und den Fachabteilungen Kapazitäten, die dann nicht für andere wichtige Tätigkeiten eingesetzt werden können, dadurch wird die Modernisierung der Messinfrastruktur in den nächsten Jahren eine große Herausforderung sein. Hier müssen wir auch eng mit den Eigentümern zusammenarbeiten, denn die RWTH ist zu großen Teilen (ca. 85%) nicht Eigentümer der Gebäude, in denen wir den Hochschulbetrieb verantworten.
Wie sieht der Gebäudebetrieb von morgen aus?
Für die meisten Nutzenden nicht anders als heute, aber mit deutlich mehr Transparenz über den Anlageneinsatz und mehr Effizienz im Anlagenbetrieb im Gebäude. Hierfür Bedarf es einerseits besserer Anlagenüberwachung und engerer Abstimmung mit den Nutzenden der Gebäude, über die Randbedingungen. Andererseits Anpassungen an der Steuerung, da die Gebäude und deren Steuerung geplant, in Betrieb genommen und betrieben wurden, oft lange bevor die aktuellen Nutzenden Teil der RWTH waren. Die Einstellungen der Gebäudeautomatisierung, Nutzungszeiten und Stellgrößen der Steuerungslogiken müssen sich den sich stetig wandelnden Nutzungsprofilen der Gebäude anpassen. Hier schlummern große Effizienzpotentiale und auch Komfortgewinne, die aber nur in enger Abstimmung mit den Nutzenden gehoben werden können, hierfür haben wir die Energie-Effizienz-Challenge entwickelt, um mit den Nutzenden ins Gespräch zu kommen.
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!